Sprachwahl

Sprachen entwickeln sich, und wohin sie sich entwickeln, bestimmen alle, die sie sprechen.

Das hört sich schön demokratisch an, ist es aber nicht. Denn die, die das Sagen haben, haben einen stärkeren Einfluss als die ohne Stimme. Das war schon zur Steinzeit so, gilt aber heute dank der brutalen digitalen Dynamik noch viel mehr.

Auch ein anderer Punkt ist anders als gern behauptet. Es heißt, Sprache entwickle sich nie in Richtung Unsinn.
Oh là là, würde da der Franzose sagen. Und zu 98 sagt er tatsächlich
Vier-zwanzig-zehn-acht. (Quatrevingtdixhuit)
Ist das wirklich sinnvoll?
Aber machen wir es besser?
Wir schreiben erst die neun, dann die acht. und sprechen genau anders rum: Acht-und-neun-zig.
Wer versucht hat, Kindern genau das beizubringen, eben Mathematik, der kann ein Lied davon singen, wie unsinnig unsere Kinder die verkehrt-rum-Benennung von Dezimalzahlen finden. Vor allem dann, wenn sie ihre Noten sehen, nachdem sie wieder mal in genau diese Falle getappt sind.
Gut dran sind die englischen Kids: sie schreiben erst die neun, dann die acht.
Und sagen: ninty-eight. Passt – das gibt bessere Noten 😉

À propos Sprachentwicklung: Im Deutschen entwickelt sich gerade etwas, über dessen Sinn wir schon seit langem streiten: Gendersprache.

Hierum wird es auf dieser Seite gehen. Sie ist gedacht für einmal später, wenn wir aus dem Streitmodus heraus und uns bewußt sind, dass wir alle die Sprache wählen, die wir gut und richtig finden. Per Abstimmung durch die Münder.

Anders als heute, wo wir denken, „die da oben“ würden uns eine Sprache aufdrücken.

Nein, unsere Sprache ist ein Produkt unserer langen Geschichte. Wer glaubt, „linksversifften Grüne, Woke und Feministinnen“ hätten uns die Gendersprache beschert, der ist der Kurzsichtigkeit von Menschen auf den Leim gegangen, die nicht so gut im Recherchieren sind. Und lieber anderen die Schuld in die Schuhe schieben, als mühsam die Wahrheit herauszufinden. Sie finden diese Leute vor allem bei der AfD, und eins ist sicher: Wenn die an die Macht kommen, wird nichts besser. Weder allgemein, noch in der Sprache.
Denn soviel sei hier schon verraten: Deren heimliche Idole haben die Gendersprache lange vor den Grünen in die Wege geleitet. Oder in anderen Worten: ohne den deutschen Faschismus hätten wir heute sehr wahrscheinlich keinen Gendersprachenstreit.
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Mit herzlichen Grüßen an die Sprachgemeinschaft, und einem ‚herzlich willkommen‘!
Bernhard Thiery